Grenzen

"Das Wort Grenze weckt in uns die unterschiedlichsten Assoziationen. Der Mensch liebt seine Grenzen. Er versucht ständig, in ihre Nähe zu kommen und empfindet ein Hochgefühl, wenn er dorthin gelangt. Und er hasst sie, wenn es ihm nicht gelingt, sie zu überwinden, und ihm die Grenze zum dumpfen Käfig wird.

Die ganze Menschheit ist durchzogen vom Traum der Entgrenzung, von Ikarus, dem die umgeschnallten Wachsflügel zerschmolzen, als er in seinem Grenzüberschreitungstaumel sich zu hoch gegen die Sonne aufschwang, bis hin zu Einstein, der die Grenzen von Zeit und Raum durchbrach.

Der Wille zur Entgrenzung ist aber nur ein Aspekt. Ein anderer ist: Wir brauchen Grenzen. Eine Gesellschaft ohne Grenzen und ohne Respektierung der Grenzen ist nicht lebensfähig. Eine symbiotische Partnerschaft, die Grenzen nicht akzeptiert, funktioniert auf Dauer nicht."

Die Ansprache von Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz zur damaligen Einweihung der Kunstgrenze am 28.April 2007 ist auch heute noch wahr, gültig und aktuell.

"Grenzen und der gute Umgang mit ihnen sind nichts Einengendes, sondern etwas höchst Vitales."
Johannes Dörflinger setzt die Skulpturen auf die Grenzlinie und lädt dazu ein, hin und her zu gehen. Das Bewusstsein, hin- und hergehen zu können, öffnet eine innere Grenze.

Auf der Grenzlinie ist ein Nichts. Und trotzdem ist etwas da. Es wird etwas unterteilt, dennoch ist nichts geteilt. Wenn dieses doppelte Denken und Fühlen zu spüren ist, ist es richtig. Für Dörflinger ist "Nichts" nicht eindimensional.